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„October Baby“: Tränen vor der Traumkulisse

Ein Abtreibungs-Drama ohne Schwangere: Die 19-jährige Hannah findet heraus, dass sie adoptiert wurde und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.

Was sie findet, ist ein tragisches Geheimnis. Der bewegende US-Kinoerfolg „October Baby“ basiert auf einer wahren Geschichte und ist in Deutschland auf DVD erschienen.

Erfolg in der Schule und auf der Theaterbühne, ein liebevolles Elternhaus: Mit 19 Jahren führt die gutaussehende Hannah (Rachel Hendrix) ein scheinbar glückliches Leben. Als sie eines Abends zusammenbricht, gerät ihr ganzes Leben ins Wanken: Ihre seelischen Probleme, die sie schon lange mit Medikamenten behandelt, seien auf Schwierigkeiten bei ihrer Geburt zurückzuführen, erfährt sie vom Arzt. Es folgt die schockierende Erklärung ihrer Eltern: Hannah wurde adoptiert, nachdem sie zu früh auf die Welt gekommen war. Sie hatte einen Abtreibungsversuch ihrer leiblichen Mutter überlebt.

Erschüttert und verwirrt begibt sich die junge Frau auf einen Road-Trip durch die wunderbar in Szene gesetzten Südstaaten der USA, um ihre biologische Mutter aufzuspüren. Begleitet wird sie von einer handvoll Freunde, darunter der smarte Jason (Jason Burkey), für den sie im Laufe der Zeit romantische Gefühle entwickelt. Wie in einem typischen Roadmovie aus den 60er Jahren sitzt Jasons Freund Bmac am Steuer eines VW Bullis. Der zu jeder Filmclique gehörende lustige Dicke wird von Chris Sligh gespielt. Der christliche Musiker hat einige Songs zum Soundtrack des Films beigesteuert und ist dem amerikanischen Publikum aus der Castingshow „American Idol“ bekannt.

In Alabama kippt die Stimmung

Je näher Hannah ihrer Vergangenheit kommt, desto ernster wird die Stimmung des Films. In Alabama gibt ein gutherziger Polizist den entscheidenden Tipp, wo Hannahs Mutter zu finden sein könnte. Er rät: „Hassen Sie das Verbrechen, nicht den Verbrecher. Menschsein heißt, wunderbar fehlerhaft zu sein. Es gibt nicht nur schwarz und weiß.“ Als Hannah die Krankenschwester trifft, die sie auf die Welt gebracht hat, kommt sie einem weiteren schmerzlichen Geheimnis auf die Spur. Und als sie schließlich vor ihrer sichtlich verstörten Mutter steht, finden beide Frauen zunächst keinen Zugang zueinander. Erst danach kommen explizit christliche Aspekte in den Film: Der Zuschauer erfährt, dass Hannah und ihre Adoptiveltern gläubige Baptisten sind. Nach der Begegnung mit ihrer Mutter hin- und hergerissen zwischen Enttäuschung, Wut und Selbstzweifeln sucht Hannah Rat bei einem katholischen Priester, der ihr erklärt: „Hass ist eine Bürde: Eine Last, die du nicht länger zu tragen brauchst. Nur Vergebung kann dich befreien.“

„October Baby“ ist ein schöner Film, der zu Beginn an säkulare Produktionen wie „Juno“ erinnert, bevor in der zweiten Hälfte die viel zu oft gescholtene christliche Kitsch-Keule ausgepackt wird. Tränen auf dem Friedhof, Tränen am Stand, mal unterlegt mit schmalzigen Rocksongs, mal mit Paul Mills‘ Instrumentalscore, der stark nach „Pearl Harbor“ klingt. Verletzungen, Vorwürfe, Verzweiflung und Vergebung – ein sensibles Plädoyer für das Leben und die Menschlichkeit. Und trotz aller Tränen gibt es immer wieder was zum Schmunzeln.

Hinter dem Drehbuch: Die wahre Geschichte

Bei seinem Kinostart im März 2012 wurde der Film von vielen US-Medien wegen seiner Abtreibungs-kritischen Thematik niedergeschrieben – und feierte doch große Erfolge: Bereits am ersten Wochenende spielte der Streifen das Dreifache der Produktionskosten wieder ein. Das Drehbuch basiert auf dem realen Leben von Gianna Jessen, einer amerikanischen Sängerin und Lebensrechtlerin, die 1977 ihre eigene Spätabtreibung mit schweren körperlichen Schäden überlebte. Entgegen ärztlicher Prognosen wurde sie so gesund, dass sie seit 2005 sogar an Marathonläufen teilnimmt. Jessen sprach bereits vor dem US-Kongress sowie dem britischen Unterhaus zum Thema Abtreibung.

VON pro KOMPAKT 12|2013: mb | 15.03.2013


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