Christliche Themen

Leben ist mehr

„Vor Gott bin ich nicht die Bundeskanzlerin“

Angela Merkel eröffnete pietistisches Jugendtreffen

Schwäbisch Gmünd (idea) – Erstmals hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine pietistische Veranstaltung besucht. Sie eröffnete am 12. Juli mit einer Rede über die Bedeutung des christlichen Menschenbildes für die Politik das Landesjugendtreffen der „Apis“. Dazu hatten sich im Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd außer den rund 600 Jugendlichen weitere 2.500 Mitglieder und Freunde des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes „Apis“ (früher Altpietisten) eingefunden, die das Geschehen auch auf großen Leinwänden im Freien verfolgten. In ihre rund 40-minütige Ansprache streute Frau Merkel immer wieder persönliche Erfahrungen mit dem Glauben ein. Bei wichtigen Herausforderungen prüfe sie im Gebet, ob ihre Entscheidungen richtig seien. Der Glaube an Gott bewahre vor Allmachtsfantasien, Machtmissbrauch, Utopien und Selbstüberschätzung; „Vor Gott bin ich nicht die Bundeskanzlerin, sondern Angela Merkel.“ Der an Gott glaubende Mensch wisse, dass er nicht alles richtig mache und dass Fehler verziehen werden können.

Ohne Kirchen gäbe es in Deutschland soziale Kälte
Im grundsätzlichen Teil betonte sie den Beitrag der Kirchen für die Gestaltung der Gesellschaft. Sie seien Garanten dafür, dass die im Grundgesetz festgeschriebene unantastbare Würde eines jeden Menschen oberste Richtschnur für die Politik bleibe. Ohne die Kirchen und das von ihnen vertretene Menschenbild gebe es den Sozialstaat nicht. Deutschland wäre nicht nur geistig arm, sondern litte auch unter sozialer Kälte. Deshalb wäre es falsch, die Kirchen nur als Leistungserbringer für Bildung und Soziales zu verstehen. Man dürfe über sie nicht diskutieren, als ob sie eine gesellschaftliche Belastung darstellten. Das Verhältnis zwischen Kirchen und Staat müsse mit den Kirchen gemeinsam weiterentwickelt werden. Zum Arbeitsrecht der Kirchen, das diesen ein umfassendes Selbstbestimmungsrecht einräume, sagte Frau Merkel, sie habe Verständnis für die Erwartung, dass sich das christliche Bekenntnis in kirchlichen Einrichtungen widerspiegeln müsse. Das vom christlichen Menschenbild ausgehende Grundgesetz setze die Mitwirkung der Kirchen voraus.

Bibel mit verbindlichem Wertekompass
Weiter sagte die Kanzlerin, dass die Bibel kein Handbuch zur Lösung politischer Probleme sei. Sie enthalte aber einen Wertekompass, der für ihre Partei verbindlich sei. Dazu gehöre der Schutz des Lebnens von seinem Anfang bis zum Ende. Wer vorn oder hinten etwas abschneide, müsse normieren, was Leben ausmache, warnte Frau Merkel. In vielen Fällen gebe es keine einfachen Antworten. Medizinische Fortschritte könnten missbraucht werden; sie könnten aber auch Leid lindern. Beim Einsatz für Verfolgte müsse abgewogen werden, ob laute Proteste oder stille Diplomatie den Betroffenen eher helfen. Grundsätzlich gelte aber, dass die in Deutschland übliche religiöse Toleranz auch in anderen Ländern Christen gegenüber erwiesen werden müsse. Diese Forderung sei Teil der deutschen Außenpolitik und Thema bei allen Auslandsreisen. Die Kanzlerin plädierte für den besonderen Schutz der Ehe, räumte aber ein, dass auch Vertreter gleichgeschlechtlicher Partnerschaften starke Argumente hätten, etwa das Praktizieren gegenseitiger Verantwortung.

CDU: Offen für alle
Zur Situation der CDU sagte die seit 2000 als CDU-Bundesvorsitzende amtierende Politikerin, dass das „C“ im Parteinamen nicht ausgrenzend gemeint sei. Die Bezeichnung „Union“ erläutere, dass die Partei offen sei für alle, die sich in ihr engagieren wollten. Dies sei unabhängig von ihrer Religion oder sexuellen Orientierung. Nur der Respekt vor dem christlichen Menschenbild stehe nicht zur Disposition. Am Ende ihrer Ansprache ermutigte Frau Merkel ihre Zuhörer, „ein Stachel im Fleisch der Politik zu sein, damit sie nicht abhebt und sich immer wieder den Menschen stellt“. Die Politik brauche die Stimmen kritischer Christen. Anschließend beteten zwei Teilnehmer des Landesjugendtreffens für die Kanzlerin. Sie dankten für ihr Engagement und baten, dass Gott ihr immer wieder Kraft und Weisheit schenke.
(idea/13.07.2013)


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