Christliche Themen

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Christenverfolgung und das Schweigen der westlichen Welt

Vor allem Christen sind von weltweiter Verfolgung betroffen. Dies stellen die Autoren des Buches „Bedrohtes Menschenrecht: Zur internationalen Lage der Religionsfreiheit heute“ der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung heraus.

Herausgeber Hans Zehetmair ärgert bei weltweit fast 100 Millionen verfolgten Christen vor allem das Schweigen der westlichen Welt.

Die Christenverfolgung habe aus Zehetmairs Sicht eine Konstante: „Während wir schweigen, leiden und sterben Menschen“. Das Christentum genieße zwar wie keine andere Religion die Sonnenseiten der Religionsfreiheit, er vermisse aber in vielen Situationen, in denen Christen benachteiligt werden, einen Aufschrei des „christlichen“ Westens. Für ein friedliches Zusammenleben hält der ehemalige CSU-Staatsminister den interreligiösen Dialog und das deutliche Eintreten für Religionsfreiheit als universelles und unteilbares Recht für unabdingbar.

Symbiose von Macht und Religion
Der UN-Sonderberichterstatter für Religionsund Weltanschauungsfreiheit, Heiner Bielefeldt, betont, dass Religion einerseits Sinn stifte und Menschen Orientierung vermittele, andererseits aber auch Ungleichheit und Dominanz rechtfertige. Bei Angst und Unsicherheit suchten Religionsgemeinschaften oft die Nähe zur politischen Macht. Im Gegenzug verbündeten sich Machthaber häufig gerne mit einflussreichen religiösen Gemeinschaften. Der italienische Politiker Andrea Riccardi stellt einige Glaubenszeugnisse von Märtyrern des 20. und 21. Jahrhunderts vor. Dazu gehört sowohl der Theologe Paul Schneider, der im Konzentrationslager Buchenwald missionierte, als auch ermordete Bischöfe der Gegenwart. Einen Blick in den Irak wirft Basiliso Georges Casmoussa, Kurienerzbischof der syrischkatholischen Kirche von Antiochien: Dort würden Christen als Menschen zweiter Klasse behandelt, weil sie als Ungläubige gelten. 50 Anschläge auf Klöster und Kirchen in den letzten acht Jahren sprächen nicht für eine Beruhigung der Lage, die auf Ignoranz, der „Tyrannei der Mehrheit“ und der „Sackgasse der Ideologie des politischen Islams“ beruhe.

Grausame Sklaverei
Kritisch sieht Uwe Gräbe, Propst an der Erlöserkirche in Jerusalem, die Lage für christliche Minderheiten in Israel und Palästina. Nach außen präsentiere sich Israel als Staat, in dem es Christen gut gehe. Arabisch-christliche Staatsbürger beklagten aber häufig eine strukturelle Benachteiligung. Neben der praktischen Solidarität helfe der Standpunkt, dass die Bemühungen um Frieden und der Glaube daran letztlich in Gottes Hand lägen.Im Nordsudan sei für Christen Sklaverei an der Tagesordnung. In der religiös begründeten Terrorherrschaft im Nordsudan tappe der Staat aus Sicht des Tübinger Professors für Humangeographie, Rainer Rothfuss, in die Islamismus-Falle. Christen müssten ihre Abkehr vom Islam gemäß der Scharia mit der Enthauptung bezahlen. Er hält die Loslösung des Südsudan für die einzig akzeptable und Hoffnung bringende Lösung, auch wenn es der Staat wirtschaftlich schwer habe.

Andrea Riccardi, Hans Zehetmair (Hg.), Bedrohtes Menschenrecht: Zur internationalen Lage der Religionsfreiheit heute, Olzog-Verlag, 236 Seiten, ISBN 978- 3789282171, 24,90 Euro.

Eine Rezension von Johannes Weil, von proKOMPAKT 33/2013


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