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Verurteilt im Iran

Die beiden Iranerinnen Maryam Rostampour und Marziyeh Amirizadeh haben in ihrer Heimat von ihrem christlichen Glauben erzählt – für die iranische Regierung Grund genug, sie zu inhaftieren.

Von ihren Erlebnissen berichten die beiden Frauen nun in einem Buch, das diesen Monat erschienen ist.

Das Evin-Gefängnis gilt als eine der bekanntesten Haftanstalten im Iran. In dem Gefängnis am Rande der Hauptstadt Teheran sitzen zahlreiche politische Häftlinge, wie aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervorgeht. Folter gehört zum Alltag im Evin-Gefängnis. Neben Journalisten, Bloggern und Regime-Gegnern saßen dort auch die beiden Christinnen Rostampour und Amirizadeh für rund neun Monate hinter Gittern.

Den beiden jungen Frauen wird die „Verbreitung und Förderung des Christentums“ vorgeworfen. Sie haben im Iran von ihrem Glauben erzählt, Neue Testamente verteilt und sind Mitglieder einer kleinen Hausgemeinde. Für die iranische Justiz war dies Grund genug, die beiden Frauen 2009 zu verhaften. Sehr eindrücklich und äußerst detailreich erzählen Rostampour und Amirizadeh abwechselnd in ihrem Buch „Verurteilt im Iran“ davon, was seit diesem Zeitpunkt bis zum Ende ihrer Haft passiert ist.

Todesstrafe angedroht
Unmenschliche Haftmethoden prägen ihren Alltag: Zu dritt leben sie teilweise auf nur vier Quadratmetern, die Räume sind mit Fäkalien übersät – und ständig sehen sie die Auswirkungen von Folter an ihren Mithäftlingen. Die Behörden drohen Rostampour und Amirizadeh mit dem Tod, sollten sie weiterhin auf ihren Glauben beharren. Häufig erleben sie, wie andere Frauen im Gefängnis hingerichtet werden. Trotz allem bleiben sie beide bei ihrem Glauben und nutzen die Zeit im Gefängnis, um anderen Insassen von Gott zu erzählen – im Angesicht des Todes.

Auf beeindruckende Weise erzählen die beiden jungen Iranerinnen, wie Gott sie im Gefängnis gebrauchte. „An diesem Ort wirkt ihr wie Engel. Wie kommt es, dass ihr so ruhig und stark seid?“, sagt einer der Mithäftlinge zu den beiden. „Das ist nicht unsere Stärke“, antworten die beiden. „Unser Herr ist stark genug, um uns hier durchzutragen.“ Rostampour und Amirizadeh beten für und mit anderen Häftlingen, erzählen Muslimen in den Zellen von ihrem Glauben und nehmen sich Zeit für sie. Geld, das sie von ihren Verwandten ins Gefängnis gebracht bekommen, nutzen sie, um anderen Insassen Süßigkeiten oder andere Nahrungsmittel im Gefängniskiosk zu kaufen. Für sich selbst nutzen sie es kaum.

Alltag im iranischen Gefängnis
Immer wieder erfahren Rostampour und Amirizadeh, dass kaum Hoffnung auf Freilassung besteht. Immer wieder müssen sie weitere Verhörmethoden im Gefängnis über sich ergehen lassen, sie werden von einem Gefängnistrakt in den nächsten verlegt, dürfen nur noch mit Augenbinde herumlaufen. Sind sie krank, bekommen sie, wenn überhaupt, eine schlechte medizinische Behandlung.

Die beiden jungen Christinnen verlieren nie die Hoffnung. Sie zeigen in ihrem Buch, dass sie selbst in den bedrohlichsten Situationen auf Gott vertrauten und sich öffentlich zu ihm bekannten. Der Fall erregt schließlich internationales Aufsehen. Tausende Menschen halten Mahnwachen vor der iranischen Botschaft in London für sie ab, die Vereinten Nationen diskutieren den Fall und auch der Vatikan schaltet sich ein. Im Jahr 2010 kommen sie unerwartet nach 259 Tagen frei.

Über Christenverfolgung im Iran
Was sich liest wie ein spannender Krimi, ist die Geschichte der beiden Iranerinnen Rostampour und Amirizadeh. Das Buch schildert nicht nur sehr eindrücklich, wie märtyrerhaft sich die beiden Frauen für ihren Glauben einsetzen. Vielmehr gibt es auch Einblicke, welcher Gefahr Christen im Iran ausgesetzt sind, wenn sie sich offen zu ihrem Glauben bekennen. Das Buch ist ein beeindruckendes Zeugnis der beiden Frauen, die nüchtern die grausamen Erlebnisse ihrer Haft schildern.

Die beiden Autorinnen leben heute in den USA. Rostampour und Amirizadeh wurden von ihren Familien muslimisch erzogen, konvertierten aber als Jugendliche zum Christentum. Sie lernten sich bei Theologiekursen in der Türkei kennen und ließen sich dort schließlich taufen.

Maryam Rostampour/ Marziyeh Amirizadeh: Verurteilt im Iran – der hohe Preis des Glauben, SCM Hänssler, 388 Seiten, 22,95 Euro, ISBN 9783775154628.

Eine Rezension von Anne Klotz, von proKOMPAKT 33/2013


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