Christliche Themen

Leben ist mehr

WM in Brasilien

Cacau und sein großes Herz für Kinder
Verletzungen zerstörten den Traum des deutschen Ex-Nationalspielers Cacau, an der WM in seinem Geburtsland Brasilien teilzunehmen. Jetzt unterstützt er benachteiligte Kinder in seiner Heimat.
Er hatte sich alles so schön ausgemalt. Deutschland qualifiziert sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Er, der gebürtige Brasilianer mit der deutschen Staatsbürgerschaft, ist im Trikot der deutschen Nationalmannschaft in seinem Heimatland dabei. Höhepunkt und Abschluss einer erfolgreichen Karriere zugleich.
Doch es kam anders für den 32-jährigen Jeronimo Maria Barreto da Silva, kurz Cacau. Ein Kreuzbandriss 2012 und ein Muskelbündelriss in dieser Saison durchkreuzten seine ehrgeizigen Pläne. Der schöne Traum ist geplatzt. "Die Frage nach der WM stellt sich leider nicht mehr. Für mich ist es wichtig, wieder fit zu werden, damit ich an der Vorbereitung auf die Rückrunde teilnehmen kann. Ein paar Jahre möchte ich schon noch spielen", sagt er. Der Vertrag in Stuttgart läuft am Saisonende aus. Danach sei alles möglich – beim VfB zu bleiben, innerhalb der Bundesliga oder ins Ausland zu wechseln.
Während seine sportliche Zukunft noch offen ist, hat Cacau eine andere Entscheidung schon getroffen: Die Beteiligung an dem Kinderhilfsprojekt "Sports for Life" in der Stadt Mogi das Cruzes nahe der Metropole Sao Paulo. Gemeinsam mit dem internationalen Hilfswerk World Vision unterstützt er seit Juni bis zu 170 benachteiligte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 17 Jahren im Armenviertel Jefferson, einem Nährboden für Gewalt und Kriminalität.

Mit Fußball soziale Grenzen überwinden
Mittels Fußball, aber auch anderer Sportarten wie Basketball oder Volleyball, werden Wege aus dem sozialen Abseits gezeigt, Teamgeist, Zuverlässigkeit und Zielstrebigkeit vermittelt. Zu diesem Zweck entsteht eine Fußballschule, es wird ein neuer Sportplatz angelegt sowie ein bestehender instand gesetzt, und es werden zwei qualifizierte Trainer angestellt.
Im Herbst seiner Karriere ist das für Cacau eine Herzensangelegenheit: "Die Verhältnisse dort erinnern mich an meine Jugend. Ich bin an diesem Ort selber in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Auch wir haben Hilfe von anderen bekommen. Ich habe immer gedacht: Wenn ich einmal oben bin, will ich etwas zurückgeben. Ich möchte mit meinem Engagement Lebensperspektiven schaffen."
Keiner weiß besser, wovon er spricht. Cacau war 15, als der Vater die Familie verließ. Die Mutter versuchte als Putzfrau, die Familie durchzubringen. Cacau verdiente sich mit dem Verkauf von Cola-Dosen an Straßenkreuzungen ein paar Centavos dazu. Mit 18 kam er als Aufbauhelfer einer Samba-Gruppe, die sein Onkel Osmar leitete, nach Deutschland.

Cacau traf achtmal im DFB-Trikot
Bei Türk Gücü München und den Amateuren des 1. FC Nürnberg fasste er im bezahlten Fußball Fuß, bevor ihn Felix Magath 2003 zum VfB holte. Seither bestritt er 297 Bundesligaspiele, erzielte 88 Tore und wurde 2007 mit Stuttgart Deutscher Meister. In 23 Länderspielen nach seiner Einbürgerung traf er achtmal für Deutschland.
Wie viele brasilianische Fußballspieler ist Cacau bekennender Christ. Nächstenliebe wird großgeschrieben. Vor dem sozialen Hintergrund mit einer schwierigen Kindheit engagieren sich zahlreiche Stars, die es im Ausland zu Ruhm und Geld gebracht haben, für ähnliche Projekte in ihrer Heimat.
Einer davon ist Giovane Elber – mit dem VfB Stuttgart 1997 DFB-Pokalsieger, mit den Bayern 2001 Champions-League-Gewinner. Aus anfänglichen Lebensmittelspenden entwickelte sich in seiner Heimatstadt Londrina ein umfassendes Projekt mit zwei Schulen und einem Kinderhort. "Bildung statt Almosen" heißt das Motto der Giovane-Elber-Stiftung, die seit 1994 in Winterbach bei Stuttgart besteht.

Giovane Elber hilft armen Kindern mit Stiftung
Richard Schrade, der rührige Vorsitzende des Stiftungsbeirats, hat seit dieser Zeit mit unzähligen Aktivitäten wie Autogrammstunden, Trikotverkäufen, Elber-Kalendern, Konzerten, Grillabenden oder Versteigerungen schon 1,2 Millionen Euro nach Londrina überweisen können. Kürzlich stellte sich die Popgruppe Pur mit einem Konzert in Rieden bei Würzburg in den Dienst der guten Sache. Einnahme: 40.000 Euro.
Die Liste der Gutmenschen im brasilianischen Nationaltrikot lässt sich fast beliebig fortsetzen. Jorginho, 1989 bis 1992 bei Bayer Leverkusen und anschließend bis 1996 bei Bayern München, leitet heute als 49-Jähriger eine Fußballschule in Toledo bei Rio de Janeiro. Er engagierte sich auch für christliche Projekte wie "Kickoff2006". Paulo Sergio (44), ebenfalls Ex-Bayer- und Ex-Bayern-Spieler, unterstützt arme Kinder in Sao Paulo – wie auch der frühere Barcelona-Stürmer Edmilson (37).
Cafu (43), der 142 Länderspiele bestritt, mit Brasilien zweimal Weltmeister wurde und in Italien bei AS Rom und beim AC Mailand sein Geld verdiente, ist in den Favelas von Sao Paulo geboren und aufgewachsen. Genau dort leitet er jetzt eine Fußballakademie mit Englisch-Unterricht, Musik und Tanz für jährlich 750 Kinder zwischen drei und 17 Jahren. Zum jährlichen Etat über 330.000 Dollar steuert er selber 200.000 bei.

Auch Brasilien-Star Kaka Botschafter für Hilfswerk
Der aktuelle Nationalspieler Kaka (31) vom AC Mailand stellt sich ab nächster Woche als Botschafter für das christliche Hilfswerk World Vision zur Verfügung. Und selbst die 71-jährige Fußballlegende Jairzinho von Botafogo Rio, Weltmeister 1970, gibt noch heute in den gefährlichen Slums von Rio zweimal in der Woche sein Können und Wissen an arme Kinder weiter.
Sie alle verdienen Respekt und Anerkennung. Erreicht Brasilien das WM-Finale im eigenen Land, wäre das ein Stück Belohnung für ihren unermüdlichen Einsatz. "Ein Endspiel am liebsten gegen Deutschland", hofft Cacau, der beide Mannschaften neben Spanien zu den großen Favoriten zählt. Für die Auslosung am Freitag hat er ein gutes Gefühl. "Deutschland wird wieder eine leichte Gruppe bekommen", sagt er lächelnd und lässt die weißen Zähne blitzen.

Klaus Schlütter


Zurück zur Übersicht

Brüdergemeinde Krefeld