Christliche Themen

Leben ist mehr

Claudemir Jeronimo Barreto, alias Cacau, ist Fußballer mit Leib und Seele

Schorndorfer Nachrichten, Stuttgart/Korb. Er ist Stürmer, er will nach vorne, will Tore schießen, seiner Mannschaft zum Sieg verhelfen. Claudemir Jeronimo Barreto, alias Cacau, ist Fußballer mit Leib und Seele.

Der Rasen ist seine zweite Heimat. Hier liegt seine Leidenschaft, Kicken ist sein Job. Aber es ist eben nicht alles. Dieser Fußballer denkt weiter als bis zum nächsten Grashalm. Er ist gläubiger Christ.
Cacau rennt, immer den Ball im Blick, umtänzelt seine Gegner, schießt und trifft. Die Fans feiern ihn, tanzen, hüpfen, schwenken Fahnen, grölen Lieder. Das Stadion brodelt. Sein Name hallt durchs Stadion, die Mitspieler jubeln. Und er? Er feiert nicht sich selbst, er feiert einen anderen. Er rennt weiter, reckt seine Arme in die Luft, deutet in Richtung dessen, den er hinter den Wolken vermutet. Er jubelt, fällt auf die Knie, rutscht auf dem Rasen weiter, küsst seine Hände, deutet wieder nach oben, legt seinen Kopf in den Nacken. Sein Gesicht – ein einziges leuchtendes Lachen. Sein Talent, das ist ein Geschenk von Gott. Davon ist er überzeugt. Drum ist’s für ihn nur konsequent, seinen Dank an den zurückzugeben, der ihn geschaffen hat.
Kind eines liebenden Gottes
Ob er wirklich glaubt, dass sein Gott sich für dieses Spiel interessiert, das 20 erwachsene Männer dazu bringt, hinter einem schnöden Ball hinterherzurennen, während zwei weitere versuchen, ihn zu fangen und ihnen Hunderttausende Menschen zujubeln? „Ja, ich glaube, dass Gott das wichtig ist. Weil ihm wichtig ist, wie es seinen Kindern geht. Und ich bin sein Kind. Gott interessiert sich für alles, was wir machen.“ Das bedeute aber nicht, dass immer alles optimal verlaufe, dass der VfB mit Cacau in der Startelf immer siege. Ein Blick auf den aktuellen Tabellenplatz hinterlässt da keine Zweifel.
Tiefschläge gibt es immer wieder. Trotzdem: „Mein Bild von Gott ist das eines liebenden Vaters, der es gut mit uns meint und nur das Beste für uns hat, auch wenn manchmal nicht das Beste passiert.“ Aber: Es kommt auf die Perspektive an, aus der er sein Leben und was darin passiert, betrachtet. Das weiß der Profifußballer, der erst zuletzt ein halbes Jahr mit einem bösen Kreuzbandriss zu kämpfen hatte, ganz genau. Aber er ist sich sicher, dass sein Gott dennoch bei ihm ist. Dass er für ihn einen guten Plan hat, auch wenn die aktuelle Situation mal durch und durch ausweglos erscheint.
„Die Bibel sagt, man soll immer dankbar sein.“ Nicht immer kommt die Dankbarkeit von selbst. Das weiß Cacau auch. Aber er arbeitet daran, denkt daran, was er in seinem Leben schon geschenkt bekommen hat, was seine Familie an Segen und Bewahrung erlebt hat. „Ich bringe mir dann in Erinnerung, was mir Hoffnung macht, das hilft mir in manchen Situationen, nicht zu verzweifeln.“ Was das ist? „Viele Situationen, in denen ich Gott erlebt habe. Zum Beispiel war die Geburt eines unserer Kinder sehr schwierig.“ Dass am Ende alles gutging, nehmen der Fußballer und seine Frau Tamara aus Gottes Hand. Und sie sind dankbar. Auch für die schwierige Phase der Verletzung, in der Cacau seinen Stammplatz im Team verloren hat. „Es war trotzdem viel Gutes in dieser Zeit.“
Er hatte mehr Zeit für seine Kinder, für seine Frau, für die Freunde und nicht zuletzt für Gott. „Ich habe in der Zeit viel mehr in der Bibel gelesen als sonst.“ Der Glaube wachse gerade in schwierigen Situationen. „Am Anfang des Glaubenslebens sind die Prüfungen nicht so groß, später werden sie schwieriger“, findet er. Ob er Tiefpunkte wirklich als eine Art Erziehungsmaßnahme, als Prüfungen Gottes sieht? Cacau nickt. „Ja, ich glaube, dass wir hinterher stärker und reifer aus solchen Situationen rausgehen.“ Und er erinnert an eine Bibelstelle, in der es um das Volk Israel und ihre schlimme Zeit in Ägypten geht. „Das hat Gott gemacht, um zu sehen, was in ihren Herzen ist. Und in schweren Zeiten zeigt sich auch, was in meinem Herzen ist.“
Sicher ist: In seinem Herz haben sich etliche Verse aus der Bibel fest verankert. Immer wieder zitiert er aus dem Buch, das Richtschur für sein Leben ist. Schließlich liest er häufig darin und jeden Morgen redet er mit Gott, betet ausführlich. Aber auch zwischendrin, wenn er Auto fährt oder wartet, betet er. Was immer ihm in den Sinn kommt, bespricht er mit seinem Gott.
Fußballer mit Ehrgeiz und Leidenschaft
Diese enge Beziehung, die hat ihn verändert. „Zum Beispiel im Fußball, da geht es um die Platzierung oder die Position, da ist es normal, dass man ein bisschen gegeneinander ist.“ Aber er habe gelernt, gelassener zu sein. Klar sei aber auch: Auf dem Platz gelten andere Regeln. „Ich kann im Spiel nicht der Cacau sein, der ich zu Hause bin. Dann wäre ich zu gutmütig und würde meinen Gegnern helfen.“ Drum gibt’s zwei Cacaus. Den auf dem Platz und den außerhalb des Fußballerdaseins. Und genau so muss das auch sein, da ist sich der gebürtige Brasilianer sicher.
„Ohne meinen Ehrgeiz und meine Leidenschaft im Spiel wäre ich nie dahin gekommen, wo ich jetzt bin.“ Und wer so bei der Sache ist, kommt ohne Emotionen nicht aus. Da ist er mal wütend, mal glücklich, mal laufen die Tränen, mal ist er hart im Zweikampf. Unvergessen bleibt das DFB-Pokalfinale 2007. Da flog Cacau wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Stolz ist er darauf nicht. Aber der Mann mit der 18 auf dem Rücken weiß um seine Gefühlswallungen. „Dann schreit man mal mit einem oder ist nicht ganz so sanft.“
Freunde, die ihn das erste Mal auf dem Rasen gesehen hatten, waren wirklich verwundert, berichtet er grinsend und zieht sich etwas verlegen am Ohrläppchen. „Cacau, du bist auf dem Platz ja ganz anders“, hatten sie damals festgestellt. „Aber das ist ja gut, dass man auch sieht, dass ich kein Heiliger bin.“ Im Sport muss man fair und hart spielen. „Da will ich unbedingt, dass meine Mannschaft gewinnt und dabei versuche ich, mich an die Regeln zu halten.“ Früher, so sagt er, hatte er mehr Probleme, mit den unterschiedlichen Ansprüchen an ihn klarzukommen. „Aber heute ist das kein Widerspruch mehr. Das gehört eben zum Fußball dazu.“
Mensch mit Fehlern und Schwächen
Abgesehen davon ist nach dem Spiel wieder alles vorbei. Und wenn nicht, ist sich der Fußballprofi nicht zu schade, sich zu entschuldigen. Bei einem Spiel gegen Mainz hatte er einen Gegenspieler unabsichtlich getroffen. „Ich dachte erst, er wäre nicht verletzt und habe mich gegen die Beschimpfungen seiner Mannschaftskameraden gewehrt.“ Allerdings: Nach dem Spiel bekam er mit, dass der Fußballer doch schlimmer verletzt war als gedacht und im Krankenhaus lag. „Da habe ich mir die Telefonnummer organisiert und mich entschuldigt.“ Das war Cacau wichtig. „Ich will meinen Frieden mit allen Menschen schließen und versuche deshalb, meinen Teil dazu beizutragen.“ Und er zitiert die Bibel: „Solange es an Euch liegt, habt mit allen Frieden“, heißt es da. Cacau hält sich dran. Würden solche Situationen ungeklärt bleiben, er würde sich schlecht fühlen.
Spätestens seit einem seiner berühmtesten Torjubel war allen Fußballfans klar, dass dieser Spieler mit Gott lebt. Damals riss er sich sein Trikot hoch, drunter zum Vorschein kam ein Spruchshirt. „Jesus lebt und liebt Dich“ prangte in großen Buchstaben auf der Brust des inzwischen 32-Jährigen. Weshalb er seinen Glauben derart offen lebt? Cacau kontert erneut mit einem Bibelvers. „Ihr sollt Euer Licht nicht unter einen Scheffel stellen“, zitiert er. „Man soll es aufhängen, damit man es sieht“, erklärt er. „Mein Licht, das ist Jesus.“ Und das will er auch zeigen. Denn noch etwas anderes steht in der Bibel: „Wer sich meiner oder meiner Botschaft schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er in seiner Herrlichkeit und in der Herrlichkeit seines Vaters und der heiligen Engel wiederkommt.“ Also tritt der Fußballer für seinen Glauben ein und erzählt davon, wie er sein Leben bereichert.
Ob das in der Welt des Fußballs nicht manchmal nervt? Schließlich ist doch alles auf Erfolg und Geld ausgerichtet. Fußballprofis gelten als cool, erfolgreich, lässig und an dicken, schnellen Karossen interessiert. Sie schließen Werbeverträge mit Buttermilch- oder Schokocremeherstellern ab. Wollen Spielerkollegen das alles so genau wissen, was den Korber derart prägt? Wie kann sich einer wie Cacau in diesem Zirkus des Kommerzes und der Eitelkeiten überhaupt wohlfühlen? Er lächelt. „Ich spreche ja nicht ständig über meinen Glauben.“ Natürlich komme das Gespräch das ein oder andere Mal aufs Thema, weil die Kollegen auch mal nachfragen. Und überhaupt: Gerade in dieser Welt, in der Jesus kaum eine Rolle spielt, in der kaum einer an ihn denkt, gerade da „muss man Licht sein“.
Christ und weiter nichts
Auftanken dafür kann der dreifache Familienvater am besten in seiner Gemeinde in Stuttgart. „Hier sind die Menschen zuerst an mir interessiert und daran, wie es uns als Familie geht.“ Der Fußball ist selten ein Thema. „Hier bin ich zuerst Christ und nicht VfB-Spieler. Hier gehen die Menschen mit mir normal um“, das braucht der Fußballstar, der für so manchen Fan auf einem Sockel steht. Was normal heißt? Cacau will nicht angehimmelt werden. „Am wohlsten fühle ich mich mit den Menschen, die auch mal einen Witz auf meine Kosten reißen“, erzählt er und grinst.
Auch für seine Kinder ist’s ihm wichtig, dass sie normal behandelt werden. Schließlich sind doch alle Menschen vor Gott gleich. Natürlich kommt’s aber auch vor, dass am Sonntag beim Gottesdienst Fans auf der Matte stehen, die ihn und die anderen Fußballer, die in die Internationale Gemeinde in Stuttgart gehen, sehen wollen. Wie er da reagiert? Richtig toll findet Cacau das nicht. Aber er sieht’s pragmatisch: „Sie wollen Fußballer sehen – und hören dann Gottes Wort. Ist doch super, oder?“
Sein Leben
Claudemir Jeronimo Barreto, genannt Cacau, wurde am 27. März 1981 in Santo André in Brasilien geboren.
Der Stürmer beginnt mit 13 Jahren seine Karriere bei Palmeiras Sao Paulo, wird jedoch mit 16 weggeschickt und schlägt sich als Straßenverkäufer durch.
Mit Hilfe eines ausgewanderten Verwandten landet er im Juli 1999 in München, wo er zunächst beim Fünftligisten Türk Gücü München kickt. Der 1. FC Nürnberg wird auf ihn aufmerksam und verpflichtet Cacau 2000 für die Reserve.
Nach Nürnbergs Abstieg 2003 wechselt Cacau zum VfB Stuttgart, wo er zum Stammspieler avanciert.
Nachdem er im Februar 2009 den deutschen Pass erhält, ist der Weg frei für die Nationalmannschaft, in der Cacau am 29. Mai 2009 in Shanghai debütiert.


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