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„Die Arche ist kein Märchen“

Das Bibel-Epos „Noah“ steht in den USA kurz nach Kinostart auf Platz eins der Filmcharts. Am Donnerstag läuft der Blockbuster auch in Deutschland an.

Für den Arche-Forscher Timo Roller ist die Geschichte von Noah mehr als Stoff für Hollywood-Produktionen. Mit pro sprach er, passend zum Filmstart, über seine jahrelange Suche nach dem berühmtesten Schiff der Geschichte.

Pro: Herr Roller, seit vielen Jahren suchen Sie nach der Arche Noah, haben nun sogar ein Buch zum Thema geschrieben. Warum ist es Ihnen so wichtig, dieses Schiff zu finden?
Timo Roller: Ist es mir gar nicht. Ich möchte eher zeigen, dass es die Arche gab, weil ich davon überzeugt bin, dass das, was in der Bibel steht, kein Märchen ist. Ich glaube nicht, dass wir noch viel von der Arche finden werden. Entgegen der Meinung anderer Arche-Forscher gehe ich davon aus, dass das Schiff nicht auf dem unter diesem Namen bekannten Ararat ganz im Osten der Türkei zu suchen ist, sondern auf dem 300 Kilometer entfernten Berg Cudi im Südosten des Landes. Während auf dem Ararat in über 4.000 Metern Höhe vieles durch ewiges Eis konserviert worden sein könnte, ist der Cudi nur 2.000 Meter hoch. Dort noch Reste einer Arche zu finden, ist unwahrscheinlich. Aber ich kann nach Anzeichen dafür suchen, dass sie einmal da war.

Warum glauben Sie, dass die Arche ausgerechnet am Berg Cudi gelandet ist?
Zum einen wurde auf dem Ararat bisher nichts gefunden. Alles, was bisher dort entdeckt wurde, ist entweder fragwürdig oder hat sich als Fälschung herausgestellt. Zum anderen habe ich lange in alten Überlieferungen recherchiert. Die Bibel spricht nicht vom Berg Ararat, sondern von dem Gebirge oder dem Land Ararat. Dazu gehört auch der Cudi. Die Einheimischen nennen den tatsächlichen Berg auch gar nicht Ararat, was dafür spricht, dass das eine Namensgebung westlicher Forschungsreisender ist. Aber nicht nur die Bibel habe ich als Beleg herangezogen. Auch der jüdisch-römische Historiker des 1. Jahrhunderts, Josephus Flavius, oder der Koran haben die Arche meiner Meinung nach an besagtem Berg Cudi verortet. Josephus schreibt sogar, dass es die Arche dort zu seiner Zeit noch gab. Am Cudi gibt es außerdem seit Jahrhunderten Traditionen, die darauf hindeuten, dass sich die Arche dort einmal befunden hat. Dort ist im Grunde alles nach Noah benannt, die Arche Noah ist allgegenwärtig, sogar im Wappen der Provinz Sirnak. Auf dem Berg Cudi gibt es Ruinen und Strukturen, die darauf hinweisen, dass es dort ein Kloster und Moscheen gab. Ich nehme an, dass diese um die Überreste der Arche herum gebaut wurden.

Warum wurden bisher keine Beweise für Ihre Theorie gefunden?
Ich forsche mit Amerikanern zusammen, die immer wieder auf ein Fundstück verweisen, das auf dem Berg in den 50er Jahren entdeckt wurde. Ein Holzstück, das ca. 6.000 Jahre alt ist. Ich bin da etwas vorsichtiger. Beweise sind schwer zu finden, weil so gut wie kein Forscher bisher auf den Berg hinauf konnte. Die Region ist politisch sehr umkämpft, der Cudi ist ein Rückzugsgebiet von PKK-Kämpfern. Aber wenn man dort Ausgrabungen machen könnte, wäre es vielleicht möglich, tatsächlich Überreste der Arche zu finden. Ich gebe zu, das ist recht spekulativ. Ich kann nicht beweisen, dass dort oben ein Schiff war. Allerdings kann ich belegen: Der Cudi ist schon in frühester Geschichte eng mit der Arche verknüpft.

Sie gehören zu den wenigen Forschern, die überhaupt davon ausgehen, dass es die Arche Noah tatsächlich gab. Was entgegen Sie den Skeptikern?
Wenn wir davon ausgehen, dass die Erdgeschichte tatsächlich so lang ist, wie heute gesagt wird, und wenn wir die Evolution zu Grunde legen, dann wird es wirklich schwierig, einen Platz für eine weltweite Sintflut und die Arche zu finden. Aber wenn wir einen Blick in die Überlieferungen werfen, bezeugen sie ganz klar, dass es Noah gab. Hier müssen wir uns fragen: Wie ist unsere Welt wirklich entstanden? Ich glaube nicht, dass die Evolution des Menschen so sicher ist, wie uns vermittelt wird. Das entspricht freilich nicht der gängigen Lehrmeinung. Wissenschaftler, die heute ihren Beruf behalten wollen, müssten mit solchen Aussagen aber vorsichtig sein.

In regelmäßigen Abständen verkünden Forscher, Überreste der Arche gefunden zu haben – zuletzt 2010 am Berg Ararat. Alle Funde, die bisher – meist von christlichen Organisationen – gemacht wurden, scheinen Fälschungen zu sein. Warum wollen
Christen der Welt vormachen, sie hätten die Arche gefunden?
Ich kann mich der Aussage des Theologen und Archäologen Randall Price, der allerdings ebenfalls am Ararat nach der Arche sucht, nur anschließen: Man kann eine Wahrheit nicht durch Lügen beweisen. In der Tat gab es 2010 einen Fund von Chinesen, der überaus fragwürdig ist. Ich glaube, dass die Einheimischen dort ein paar Leichtgläubige auf die Spur gebracht haben. Insofern könnte man sagen, dass die Christen nur Opfer waren. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn selbst, als schon klar war, dass sie auf eine Fälschung hereingefallen waren, haben die Chinesen noch an ihrem Fund festgehalten. Ich könnte mir vorstellen, dass das Geld bei diesen Dingen eine Rolle spielt.

Wie meinen Sie das?
Stellen Sie sich vor, Sie bohren in 4.000 Metern Höhe ein Loch ins Eis, was an sich schon beschwerlich ist, und dann finden Sie nichts. Erklären Sie das mal Ihren Spendern, die darauf hoffen, dass Sie etwas liefern, um die Glaubwürdigkeit der Bibel zu beweisen.

Nun läuft der Film „Noah“ von Regisseur Darren Aronofsky in den Kinos. Glauben Sie, dass dadurch eine neue Diskussion über die Arche entstehen wird?
Das hoffe ich. Selbst wir Christen sehen die Geschichte von Noah oft als Mythos an, den wir zwar aus dem Kindergottesdienst kennen, aber nicht für wahr halten. Ich glaube, der Film kann uns einen neuen Zugang zu biblischen Themen eröffnen und uns neu zum Nachdenken bringen. Und er ist auch eine wichtige Chance, mit Nicht-Gläubigen über biblische Inhalte zu reden.

Herr Roller, vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Anna Lutz.
Pro|KOMPAKT 13|2014


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